Samstag, 11. Mai 2013

Schwangerschaft



Dauer und Einteilung der Schwangerschaft
Die Schwangerschaft dauert 38 bis 40 Wochen. Rechnet man vom Zeitpunkt der Befruchtung, sind es 266 Tage und vom Zeitpunkt der letzten Menstruation, wovon man in der Praxis eher ausgeht, so sind es 280 Tage.

Eingeteilt wird diese Zeit in drei Drittel. Das erste Trimenon geht vom ersten bis dritten Monat bzw. erste bis zwölfte Schwangerschaftswoche. Das Zweite bis zum sechsten Monat (achtundzwanzigste Woche) und das Dritte bis zur Geburt.

Mittlerweile kann der Geburtstermin sehr gut berechnet werden. Hierfür verwendet man eine einfache Formel:
  • Entbindungstermin = Datum des 1.Tages der letzten Menstruation + 7 Tage – 3 Monate + 1 Jahr +/- X(Abweichungen vom 28-tägigen Zyklus in Tagen)

Entwicklung des Kindes
Bereits wenige Stunden nach Befruchtung beginnen die ersten Zellteilungen. Weiters geschieht in den ersten 8 Wochen die Anlegung der lebenswichtigen Organe. In dieser Zeit, dem ersten Trimenon können virale Infektionen, viele Medikamente oder Röntgenstrahlen schwere Fehlbildungen hervorrufen.

Im zweiten und dritten Trimenon stehen das Wachstum des Kindes, die Feindifferenzierung des Gewebes und das Ausreifen und die Funktionsaufnahme der Organe im Vordergrund. Außerdem beginnt das Ungeborene für später zu üben. Dies geschieht durch Bewegung, dem Trinken von Fruchtwasser, urinieren, schlafen und Schluckauf.

Veränderungen des mütterlichen Organismus
Während der Schwangerschaft kommt es im Organismus der Schwangeren zu einigen Veränderungen. Zum einen nimmt das Blutvolumen zu um das Kind mit ausreichend Sauerstoff versorgen zu können. Jedoch steigt die Hämoglobinbildung nicht im gleichen Maße. Dadurch hat die Frau ein erhöhtes Schlafbedürfnis, leidet an Müdigkeit und Hypothonie.

Der Tonus der glatten Muskulatur nimmt ab. Dies begünstigt Obstipation, Harnwegsinfekte, Varizzenbildung und Hämorrhoidenbildung. Zusätzlich kommt es zu einigen körperlichen Veränderungen. Die Brüste werden voller, der Bauch wächst und es kommt zu vermehrter Hautpigmentierung an Brustwarzen und Mittellinie des Bauches. Zusätzlich kann das Gesicht dunklere Flecken aufweisen. Eventuell kommt es zur Bildung von Schwangerschaftsstreifen.

Dürfen und nicht dürfen
In der Schwangerschaft ist einiges zu Beachten. Absolutes Tabu sind Alkohol, Drogen und Nikotin. Medikamente sollten nur nach ärztlicher Anordnung genommen werden. Ansonsten kann es zu Fehlgeburten und in einigen Fällen auch zu Totgeburten kommen.

Sex in der Schwangerschaft ist kein Problem. Die Schwangere braucht nicht zu verzichten. Allerdings gibt es hier ein paar Ausnahmen. Im Fall von Zervixinsuffizienz, Blutungen oder Abgang von Fruchtwasser sowie bei Fehlgeburten bei früheren Schwangerschaften und auch bei einer Vaginalinfektion.

In der Schwangerschaft ist eine Bewegung von mindestens zwanzig Minuten empfohlen. Gut geeignet sind Schwimmen, Fahrrad fahren, Wandern und Spazieren gehen. Schlecht hingegen sind Reiten, Tennis und Squash.

Auch das Reisen stellt kein Problem da. Am Besten geeignet ist das zweite Trimenon. Jedoch sollte auch hier einiges Beachtet werden. Lange Autofahrten sind ungeeignet. Genauso ab vier Wochen vor der Entbindung zu Fliegen. Weiters sollte es keine Reisen in Gebiete mit schlechter medizinischer Versorgung geben. Auch nicht in Tropen oder ins Gebirge über 2500 Meter.

In der Schwangerschaft empfiehlt sich eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung sowie Gegen Ende viele kleine Mahlzeiten. Durch die Vermeidung von Süßspeisen und Reizstoffen können unangenehme Begleiterscheinungen vermindert werden. Wichtig ist auch die tägliche Zufuhr von 250 kcal, der Genuss von tierischen Eiweißen in Maßen und Kohlenhydrate sollten mit vollwertigen Lebensmitteln wie Gemüse, Kartoffeln, Vollkornprodukten und Obst zugeführt werden.

Folsäure sollte vermieden werden. Ein Magnesiummangel kann durch Ernährung gelindert werden. Bei Kochsalz ist ein sparsames umgehen empfohlen. Der Kalziumbedarf sollte mittels Milch, Joghurt oder Topfen gedeckt werden.

Einem Eisenmangel kann vorgebeugt werden. Dies erreicht man am Besten mit dunklem Fleisch, rote Rüben, Holunder, Johannisbeere und mit Hülsenfrüchten.

In der Schwangerschaft ist der Flüssigkeitsbedarf individuell. Günstig ist in dieser Zeit stilles Mineralwasser. Ungünstig sind Tee oder Saft. Koffein sollte nur in geringen Mengen konsumiert werden.

Verzichtet sollte man auf rohes Hackfleisch und Rohmilchkäse. Beim Würzen sollte man ebenfalls vorsichtig sein, da einige Gewürze Wehen auslösend sind. Daher empfiehlt sich ein sparsamer Umgang mit Ingwer, Nelke und Zimt.

Körperpflege
In der Schwangerschaft ist ein Wechselduschen empfohlen. Also das mehrfache Abduschen mit warmem und kaltem Wasser. Durch Bauchmassagen können Striae (Schwangerschaftsstreifen) vorgebeugt werden. Wichtig ist auch eine gründliche Intimpflege.

Berufstätigkeit
Die Berufstätigkeit ist gesetzlich geregelt. Es wird beschrieben, welche Tätigkeiten, Tagesarbeitszeiten und Orte eine werdende Mutter nicht verrichten darf. Weiters darf acht Wochen vor und nach der Geburt in Österreich nicht gearbeitet werden.

Geburtsvorbereitungskurse
Ein Geburtsvorbereitungskurs dient dem Erfahrungsaustausch sowie aus Informationen über den physiologischen Geburtsvorgang. Auch ein kennen lernen von Geburtsmethoden und –positionen, Möglichkeiten der Geburtserleichterung und dem Handling und Umgang mit Neugeborenen steht auf dem Programm.

Entbindungsorte
Grundsätzlich gibt es vier verschiedene Möglichkeiten. Dies sind Krankenhaus, eine ambulante Entbindung, Geburtshäuser und die Hausgeburt.

Das Krankenhaus ist die häufigste gewählte Möglichkeit. Hier besteht oft die Möglichkeit von Rooming-in (Kind mit Mutter im Zimmer).

Die ambulante Geburt findet in einem Krankenhaus, einer gynäkologische Ordination oder einem Geburtshaus statt. Hierbei bleibt die Frau mit dem Kind nicht mehrere Tage im Krankenhaus, sondern kehrt nach einer Beobachtungszeit von vier bis vierundzwanzig Stunden nach Hause zurück. Vorraussetzung für diese Möglichkeit ist komplikationslose Geburt. Weiters sollte beachtet werden, dass eine Hebamme für Hausbesuch gefunden werden muss. Dies hat Innerhalb der nächsten zehn Tage zu geschehen.

In einem Geburtshaus findet die Geburt unter Leitung einer Hebamme ambulant statt. Dies geschieht mit Vor- und Nachbetreuung.

Bei der Hausgeburt sollten bestimmte Vorraussetzungen gegeben sein. Dies betrifft die Betreuung durch eine Hebamme und die Möglichkeit im Notfall schnell eine geburtshilfliche Einrichtung zu erreichen. Weiters empfiehlt sich eine Beratung mit dem Gynäkologen. Auch sollte das Wissen, dass selbst nach einer problemlosen Schwangerschaft Geburtskomplikationen auftreten können, vorhanden sein.

Wehen
Eine Wehe ist eine Muskelkontraktion der Gebärmutter. Die Wehen werden in drei Arten unterschieden:
  • Schwangerschaftswehen
  • Senkwehen/Vorwehen
  • Eröffnungs-, Austreibungs- und Presswehen

Jede Wehe verläuft in einem bestimmten Schema ab. Sie steigt langsam zu einem Gipfelpunkt und flaut dann wieder ab. Eine Wehe dauert ca. zwanzig bis sechzig Sekunden und dazwischen gibt es eine Wehenpause, dessen Umfang anfangs fünf bis zehn Minuten betragen und im Laufe der Geburt abnehmen. Die Wehenpausen dienen dem Sauerstoffzufuhr an die Muskeln.

Geburtsbegleitung durch die Hebamme
Die Geburtseinleitung durch die Hebamme erfolgt sehr individuell. Sie besteht aus geburtserleichternden Maßnahmen. Dies sind ein wehen anregendes und entspannendes Vollbad oder dusche, Akupunktur, Massagen und Homöopathie. Eventuell auch eine Unterstützung der Darmentleerung mit einem Clymol.

In der Geburtsvorbereitung soll die Schwangere das Becken hoch lagern und liegen um Probleme vorzubeugen. Weiters gibt es eine Nahrungskarenz, es wird auf die Flüssigkeitszufuhr geachtet und bei lang andauernden Geburten bekommt die werdende Mutter eine Infusion.

In dieser Phase werden die Vitalzeichen kontrolliert. Auch CTG (Herztonwehenschreibung) Kontrollen werden durchgeführt. Wichtig ist weiters der Schutz des Damms, da dieser bei einer Geburt einreißen kann.

Maßnahmen nach der Geburt
Das Abnabeln findet zirka eine Minute nach Auspulsieren der Nabelschnur statt. Das Baby wird mit einem vorgewärmten Tuch abgetrocknet und der Mutter zum Anlegen gegeben. Anschließend wird der AGPAR Score erhoben und das Kind inspiziert, sowie gewogen und gemessen. Zusätzlich wird die Cred`sche Prophylaxe durchgeführt.

Das AGPAR – Schema ist eine Einstufung des Neugeborenen in einem Punktesystem, wo es für jede Untersuchung jeweils null bis zwei Punkte gibt. Angeschaut wird:
  • Atmung
  • Puls
  • Grundtonus
  • Aussehen
  • Reflexe

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