Dauer und Einteilung der Schwangerschaft
Die Schwangerschaft dauert 38 bis
40 Wochen. Rechnet man vom Zeitpunkt der Befruchtung, sind es 266 Tage und vom
Zeitpunkt der letzten Menstruation, wovon man in der Praxis eher ausgeht, so
sind es 280 Tage.
Eingeteilt wird diese Zeit in
drei Drittel. Das erste Trimenon geht vom ersten bis dritten Monat bzw. erste
bis zwölfte Schwangerschaftswoche. Das Zweite bis zum sechsten Monat
(achtundzwanzigste Woche) und das Dritte bis zur Geburt.
Mittlerweile kann der Geburtstermin
sehr gut berechnet werden. Hierfür verwendet man eine einfache Formel:
- Entbindungstermin = Datum des 1.Tages der letzten Menstruation + 7 Tage – 3 Monate + 1 Jahr +/- X(Abweichungen vom 28-tägigen Zyklus in Tagen)
Entwicklung des Kindes
Bereits wenige Stunden nach
Befruchtung beginnen die ersten Zellteilungen. Weiters geschieht in den ersten
8 Wochen die Anlegung der lebenswichtigen Organe. In dieser Zeit, dem ersten
Trimenon können virale Infektionen, viele Medikamente oder Röntgenstrahlen schwere
Fehlbildungen hervorrufen.
Im zweiten und dritten Trimenon
stehen das Wachstum des Kindes, die Feindifferenzierung des Gewebes und das
Ausreifen und die Funktionsaufnahme der Organe im Vordergrund. Außerdem beginnt
das Ungeborene für später zu üben. Dies geschieht durch Bewegung, dem Trinken
von Fruchtwasser, urinieren, schlafen und Schluckauf.
Veränderungen des mütterlichen
Organismus
Während der Schwangerschaft kommt
es im Organismus der Schwangeren zu einigen Veränderungen. Zum einen nimmt das
Blutvolumen zu um das Kind mit ausreichend Sauerstoff versorgen zu können.
Jedoch steigt die Hämoglobinbildung nicht im gleichen Maße. Dadurch hat die
Frau ein erhöhtes Schlafbedürfnis, leidet an Müdigkeit und Hypothonie.
Der Tonus der glatten Muskulatur
nimmt ab. Dies begünstigt Obstipation, Harnwegsinfekte, Varizzenbildung und
Hämorrhoidenbildung. Zusätzlich kommt es zu einigen körperlichen Veränderungen.
Die Brüste werden voller, der Bauch wächst und es kommt zu vermehrter
Hautpigmentierung an Brustwarzen und Mittellinie des Bauches. Zusätzlich kann
das Gesicht dunklere Flecken aufweisen. Eventuell kommt es zur Bildung von
Schwangerschaftsstreifen.
Dürfen und nicht dürfen
In der Schwangerschaft ist
einiges zu Beachten. Absolutes Tabu sind Alkohol, Drogen und Nikotin.
Medikamente sollten nur nach ärztlicher Anordnung genommen werden. Ansonsten
kann es zu Fehlgeburten und in einigen Fällen auch zu Totgeburten kommen.
Sex in der Schwangerschaft ist
kein Problem. Die Schwangere braucht nicht zu verzichten. Allerdings gibt es
hier ein paar Ausnahmen. Im Fall von Zervixinsuffizienz, Blutungen oder Abgang
von Fruchtwasser sowie bei Fehlgeburten bei früheren Schwangerschaften und auch
bei einer Vaginalinfektion.
In der
Schwangerschaft ist eine Bewegung von mindestens zwanzig Minuten empfohlen. Gut
geeignet sind Schwimmen, Fahrrad fahren, Wandern und Spazieren gehen. Schlecht
hingegen sind Reiten, Tennis und Squash.
Auch das
Reisen stellt kein Problem da. Am Besten geeignet ist das zweite Trimenon.
Jedoch sollte auch hier einiges Beachtet werden. Lange Autofahrten sind
ungeeignet. Genauso ab vier Wochen vor der Entbindung zu Fliegen. Weiters
sollte es keine Reisen in Gebiete mit schlechter medizinischer Versorgung
geben. Auch nicht in Tropen oder ins Gebirge über 2500 Meter.
In der
Schwangerschaft empfiehlt sich eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung
sowie Gegen Ende viele kleine Mahlzeiten. Durch die Vermeidung von Süßspeisen
und Reizstoffen können unangenehme Begleiterscheinungen vermindert werden.
Wichtig ist auch die tägliche Zufuhr von 250 kcal, der Genuss von tierischen
Eiweißen in Maßen und Kohlenhydrate sollten mit vollwertigen Lebensmitteln wie
Gemüse, Kartoffeln, Vollkornprodukten und Obst zugeführt werden.
Folsäure
sollte vermieden werden. Ein Magnesiummangel kann durch Ernährung gelindert
werden. Bei Kochsalz ist ein sparsames umgehen empfohlen. Der Kalziumbedarf
sollte mittels Milch, Joghurt oder Topfen gedeckt werden.
Einem
Eisenmangel kann vorgebeugt werden. Dies erreicht man am Besten mit dunklem
Fleisch, rote Rüben, Holunder, Johannisbeere und mit Hülsenfrüchten.
In der
Schwangerschaft ist der Flüssigkeitsbedarf individuell. Günstig ist in dieser
Zeit stilles Mineralwasser. Ungünstig sind Tee oder Saft. Koffein sollte nur in
geringen Mengen konsumiert werden.
Verzichtet
sollte man auf rohes Hackfleisch und Rohmilchkäse. Beim Würzen sollte man
ebenfalls vorsichtig sein, da einige Gewürze Wehen auslösend sind. Daher
empfiehlt sich ein sparsamer Umgang mit Ingwer, Nelke und Zimt.
Körperpflege
In der Schwangerschaft ist ein
Wechselduschen empfohlen. Also das mehrfache Abduschen mit warmem und kaltem
Wasser. Durch Bauchmassagen können Striae (Schwangerschaftsstreifen) vorgebeugt
werden. Wichtig ist auch eine gründliche Intimpflege.
Berufstätigkeit
Die Berufstätigkeit ist
gesetzlich geregelt. Es wird beschrieben, welche Tätigkeiten,
Tagesarbeitszeiten und Orte eine werdende Mutter nicht verrichten darf. Weiters
darf acht Wochen vor und nach der Geburt in Österreich nicht gearbeitet werden.
Geburtsvorbereitungskurse
Ein Geburtsvorbereitungskurs
dient dem Erfahrungsaustausch sowie aus Informationen über den physiologischen
Geburtsvorgang. Auch ein kennen lernen von Geburtsmethoden und –positionen,
Möglichkeiten der Geburtserleichterung und dem Handling und Umgang mit
Neugeborenen steht auf dem Programm.
Entbindungsorte
Grundsätzlich gibt es vier
verschiedene Möglichkeiten. Dies sind Krankenhaus, eine ambulante Entbindung,
Geburtshäuser und die Hausgeburt.
Das
Krankenhaus ist die häufigste gewählte Möglichkeit. Hier besteht oft die
Möglichkeit von Rooming-in (Kind mit Mutter im Zimmer).
Die ambulante
Geburt findet in einem Krankenhaus, einer gynäkologische Ordination oder einem
Geburtshaus statt. Hierbei bleibt die Frau mit dem Kind nicht mehrere Tage im
Krankenhaus, sondern kehrt nach einer Beobachtungszeit von vier bis
vierundzwanzig Stunden nach Hause zurück. Vorraussetzung für diese Möglichkeit
ist komplikationslose Geburt. Weiters sollte beachtet werden, dass eine Hebamme
für Hausbesuch gefunden werden muss. Dies hat Innerhalb der nächsten zehn Tage
zu geschehen.
In einem
Geburtshaus findet die Geburt unter Leitung einer Hebamme ambulant statt. Dies
geschieht mit Vor- und Nachbetreuung.
Bei der
Hausgeburt sollten bestimmte Vorraussetzungen gegeben sein. Dies betrifft die
Betreuung durch eine Hebamme und die Möglichkeit im Notfall schnell eine
geburtshilfliche Einrichtung zu erreichen. Weiters empfiehlt sich eine Beratung
mit dem Gynäkologen. Auch sollte das Wissen, dass selbst nach einer
problemlosen Schwangerschaft Geburtskomplikationen auftreten können, vorhanden
sein.
Wehen
Eine Wehe ist
eine Muskelkontraktion der Gebärmutter. Die Wehen werden in drei Arten
unterschieden:
- Schwangerschaftswehen
- Senkwehen/Vorwehen
- Eröffnungs-, Austreibungs- und Presswehen
Jede Wehe
verläuft in einem bestimmten Schema ab. Sie steigt langsam zu einem Gipfelpunkt
und flaut dann wieder ab. Eine Wehe dauert ca. zwanzig bis sechzig Sekunden und
dazwischen gibt es eine Wehenpause, dessen Umfang anfangs fünf bis zehn Minuten
betragen und im Laufe der Geburt abnehmen. Die Wehenpausen dienen dem
Sauerstoffzufuhr an die Muskeln.
Geburtsbegleitung durch die Hebamme
Die
Geburtseinleitung durch die Hebamme erfolgt sehr individuell. Sie besteht aus
geburtserleichternden Maßnahmen. Dies sind ein wehen anregendes und
entspannendes Vollbad oder dusche, Akupunktur, Massagen und Homöopathie.
Eventuell auch eine Unterstützung der Darmentleerung mit einem Clymol.
In der
Geburtsvorbereitung soll die Schwangere das Becken hoch lagern und liegen um
Probleme vorzubeugen. Weiters gibt es eine Nahrungskarenz, es wird auf die
Flüssigkeitszufuhr geachtet und bei lang andauernden Geburten bekommt die
werdende Mutter eine Infusion.
In dieser
Phase werden die Vitalzeichen kontrolliert. Auch CTG (Herztonwehenschreibung)
Kontrollen werden durchgeführt. Wichtig ist weiters der Schutz des Damms, da
dieser bei einer Geburt einreißen kann.
Maßnahmen nach der Geburt
Das Abnabeln
findet zirka eine Minute nach Auspulsieren der Nabelschnur statt. Das Baby wird
mit einem vorgewärmten Tuch abgetrocknet und der Mutter zum Anlegen gegeben.
Anschließend wird der AGPAR Score erhoben und das Kind inspiziert, sowie
gewogen und gemessen. Zusätzlich wird die Cred`sche Prophylaxe durchgeführt.
Das AGPAR –
Schema ist eine Einstufung des Neugeborenen in einem Punktesystem, wo es für
jede Untersuchung jeweils null bis zwei Punkte gibt. Angeschaut wird:
- Atmung
- Puls
- Grundtonus
- Aussehen
- Reflexe
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