Als Stillen wird die Ernährung
des Säuglings und Kleinkinds bezeichnet. Es ist die erste Nahrung die der
Mensch bekommt.
Vorteile
Das Stillen bringt dem Kind, aber
auch der Mutter, einige Vorteile. Zum einem trägt es zum Schutz vor Infektionen
und zur Entwicklung bei. Die Menge und der Bedarf sind hormonell ans Kind
angepasst, die Muttermilch ist jederzeit verfügbar und das Stillen fördert
Mutter-Kind-Beziehung. Weiters senkt es das Übergewichtsrisiko, verringert
Otitis media um bis zu 50%, Gastroenteritis um bis 64%, Atemwegserkrankungen
bis 72%, Diabetes Typ 1 und SIDS Risiko
um 36%.
Das Stillen ist eine Prävention
zur Verhinderung der atopischen Dermatitis und wirkt Sucht vorbeugend. Außerdem
spart es Geld und ist Umweldfreundlich, da hierbei kein Abfall entsteht und
kein Transport notwendig ist.
Maßnahmen zur Stillförderung
Grundsätzlich
gilt bald stillen, oft stillen und nur stillen. Um das Stillen zu fördern wird
ein intensiver Hautkontakt zwischen Mutter und Kind empfohlen. Da etwa zwanzig
bis dreißig Minuten nach der Geburt der Saugreflex des Neugeborenen am
stärksten ausgeprägt ist, sollte in dieser Zeit das Baby zum ersten Mal
angelegt werden.
Muttermilch
Durch den
Saugakt werden die Nervenenden der Brustwarze und des Warzenvorhofes gereizt.
Dies bewirkt die Abgabe von Prolakin. Dadurch wird die Milchbildung gefördert.
Häufiges Saugen vermehrt die Prolakinausschüttung.
Die erste
Muttermilch wird Kolostrum genannt. Dies ist eine gelbe, dickflüssige Milch und
wird gleich nach der Geburt in geringen Mengen abgegeben. Sie enthält mehr
Proteine, Immunglobuline und weniger Fett als reife Milch und ist leicht
verdaulich. Diese Milch reguliert das Energiedefizit sowie einen auftretenden
Ikterus.
Die reife
Muttermilch besteht aus Wasser, Proteinen, Fette, Kohlenhydrate, Mineralien und
Spurenelemente sowie aus Vitaminen.
Wichtig beim Stillen
Beim Stillen
sollte auf eine entspannte, ruhige Atmosphäre geachtet werden. Davor sollte die
Mutter Hände waschen und auf eine bequeme Lage für sich schaffen. Weiters ist
eine kurze Brustmassage mit Daumen und Zeigefinger vor dem Stillen hilfreich.
Bei der
Durchführung ist zu Beachten, dass das Kind die Brust erreichen kann und es
Bauch an Bauch mit er Mutter liegt. Außerdem muss die Nase des Kindes muss frei
sein und die Mutter umfasst Rücken und Gesäß des Kindes.
Zu Beginn
berührt die Mutter Gesicht des Kindes mit der Warze und sorgt dafür, dass die
Zunge des Säuglings unten ist. Wichtig ist, dass die Anlegezeit sich nach den
Bedürfnissen des Kindes richtet. Sollte dieser am Ende nicht von selbst die
Brust loslassen, kann die Frau mit einem Finger den sog unterbrechen.
Um das Kind
nicht zu gefährden ist eine Brustpflege wichtig. Diese sollte täglich mit
Wasser und milder Seife erfolgen.
Stillrhythmus
richtet sich nach den Bedarf des Kindes. Das heißt, das Baby wird angelegt,
wenn es Hunger hat. Typische Zeichen dafür sind Augenbewegung, ein hin und her
drehen des Kopfes, das Bewegen der Arme, Sauggeräusche und Saugbewegungen,
sowie das Saugen an der eigenen Hand und weint, wenn nicht reagiert wird.
Milcheinschuss
Der
Milcheinschuss erfolgt circa am zweiten, dritten bis maximal fünften Tag nach
der Geburt. Eine Temperaturerhöhung auf bis zu 38°C für maximal zwei Tage ist
normal und stellt kein Problem dar. Die Brust ist durch den Milcheinschuss
hart, gespannt, vergrößert, warm und meist schmerzhaft.
Die daraus
resultierenden Schmerzen können durch einfache Maßnahmen gelindert werden.
Wichtig ist vor allem das Stillen ad libitum, also nach Bedarf. Weiters hilft
die Zufuhr von Wärme vor dem Stillen und eventuell ein abpumpen der
überschüssigen Milch. Hilfreich sind auch eine Brustmassage, das Leerpumpen und
die Brüste nach dem Stillen kühlen. Eine Verringerung der Flüssigkeitszufuhr
kann ebenfalls Abhilfe verschaffen.
Eine
Komplikation der Nichtbehandlung ist der Milchstau.
Milchstau
Ein Milchstau
entsteht, wenn die Milchgänge nicht genügend entleert werden. Typische Zeichen
für diese Komplikation sind harte, schmerzempfindliche Brüste.
Die Ursachen
eines Milchstaus sind für gewöhnlich eine Abflussbehinderung durch gestörten
Milchspendereflex, wegen Stresssituation oder Schmerzen, eine Mangelnde
Entleerung der Brust, da das Kind zu selten angelegt wird, das Kind nachts
durch schläft oder Flach- oder Hohlwarzen, Mechanische Abflussbehinderung,
aufgrund eines zu engen BHs, Empfindlichkeit der Brust gegen Kälte und Zugluft
sowie Schlag oder Druck gegen die Brust.
Maßnahmen bei
einem Milchstau sind häufiges anlegen, für Ruhe und Entspannung sorgen, warme
Kompressen vor dem Stillen, Kälteanwendung nach dem Stillen, eine Verringerung
der Flüssigkeitszufuhr, das Überprüfen der Anlegetechnik, homöpathische Mittel
und eine Stillberatung. Auf ärztliche Anordnung kann auch die Anwendung eines
Syntocin Sprays fünf Minuten vor dem Stillen sowie eventuell Schmerzmittel
hilfreich sein.
Mastitis
Mastitis ist
eine schmerzhafte Schwellung der betroffenen Brustpartie mit Rötung und
Überwärmung der Haut. Häufig mit Fieber, einem allgemeinen Mattigkeitsgefühl,
grippeartige Gliedschmerzen und nach ein bis drei Tagen kommt es zu
Abszessbildung. Weiters auch begleitende Schwellung der Achsellymphknoten.
Eine Mastitis
wird mit Blutabnahme und Ultraschall diagnostiziert.
Maßnahmen bei
Mastitis sind Bettruhe, Entspannung, gute Entleerung durch häufiges Anlegen
oder Abpumpen, bei Fortgeschrittener Mastitis jedoch Stillverbot, das
Einschränken der Flüssigkeitsmenge, ein Ruhigstellen der Brust, kühle
Umschläge, Wärmeanwendung bei beginnender Einschmelzung des Abszesses und die
Gabe von Antibiotika sowie entzündungshemmende und schmerzstillende
Medikamente.
Abstillen
Unter dem Begriff „Abstillen“
versteht man das Entwöhnen des Säuglings von der Muttermilch. Hierbei wird in
drei Arten unterschieden. Dies sind allmähliches Abstillen, frühes Abstillen
und plötzliches Abstillen.
Das
allmähliche Abstillen ist der Normalfall. Hier geht das Angebot aufgrund
geringer Nachfrage zurück. Die Brust stellt sich Problemlos darauf ein.
Das frühe
Abstillen erfolgt einige Wochen nach der Geburt. Da ist zu beachten, dass das
Kind maximal eine Mahlzeit pro Woche durch Flaschennahrung erhält um den
Säugling und die Brust nicht zu überfordern.
Das plötzliche Abstillen ist
notwendig, wenn Mutter schwer erkrankt oder das Kind stirbt. Diese Form erfolgt
meist medikamentös und kann alternativ unterstützt werden. Die Frau sollte die
Flüssigkeitszufuhr reduzieren und Salbeitee trinken. Weiters hilfreich sind das
Tragen von engen, gut sitzenden BHs und kalte Wickel.
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